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Beurteilungskompass

Diagnostische Kompetenz

Diagnostische Kompetenz ist die Fähigkeit einer Lehrperson, den Lernstand, die Lernvoraussetzungen und die Schwierigkeiten von Schülerinnen und Schülern zutreffend einzuschätzen. Sie ist keine feste Eigenschaft, sondern lässt sich mit fachdidaktischem Wissen und bewusster Übung gezielt weiterentwickeln.

Zentral ist dabei das Wechselspiel zwischen Beobachtung und Fachwissen: Wer die typischen Entwicklungsschritte, Fehlvorstellungen und Strategien in einem Fachbereich kennt, sieht in einer Schülerantwort mehr als jemand ohne dieses Wissen. Eine falsche Lösung ist diagnostisch oft aufschlussreicher als eine richtige, weil sie zeigt, welche Vorstellung dahintersteckt.

Diagnostische Kompetenz zeigt sich nicht nur in Prüfungssituationen, sondern kontinuierlich im Unterrichtsalltag: beim Zuhören, beim Beobachten von Arbeitsprozessen, beim gezielten Nachfragen. Je eingeübter dieses «diagnostische Auge» ist, desto eher lassen sich Fördermassnahmen frühzeitig statt erst bei manifesten Schwierigkeiten ableiten.

In 5 Minuten

  • Diagnostische Kompetenz verbindet Beobachtung mit fachdidaktischem Hintergrundwissen.
  • Falsche Antworten sind oft informativer als richtige.
  • Sie zeigt sich im Alltag, nicht nur in Prüfungssituationen, und lässt sich gezielt weiterentwickeln.

Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 2.6», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).