Gütekriterien einer Beurteilung
Nicht jede Beurteilung, die «objektiv» wirkt, ist auch gut. Drei klassische, quantitative Gütekriterien – Objektivität, Reliabilität und Validität – helfen einzuschätzen, wie verlässlich eine Beurteilung ist:
Objektivität: Käme eine andere Lehrperson mit demselben Instrument zum gleichen Ergebnis? Ein klares Kriterienraster erhöht die Objektivität gegenüber einem vagen Gesamteindruck.
Reliabilität (Zuverlässigkeit): Käme dieselbe Person bei einer Wiederholung zum gleichen Ergebnis? Eine einzelne mündliche Prüfung ist weniger reliabel als mehrere Beobachtungen über die Zeit.
Validität (Gültigkeit): Wird tatsächlich das gemessen, was gemessen werden soll? Eine Rechtschreibprüfung im Fach Geschichte misst nicht das historische Verständnis – sie ist für diesen Zweck wenig valide, selbst wenn sie objektiv und reliabel ist.
Daneben gibt es qualitative Gütekriterien wie Fairness, Transparenz und Nachvollziehbarkeit: Wissen die Lernenden, woran sie gemessen werden, und können sie eine Bewertung nachvollziehen? Für die Praxis ist Validität oft das wichtigste, aber am leichtesten übersehene Kriterium – gerade weil leicht messbare Aufgaben verlockend sind, auch wenn sie nicht den eigentlichen Kern der Kompetenz treffen.
In 5 Minuten
- Objektivität: unabhängig von der beurteilenden Person.
- Reliabilität: über die Zeit stabil.
- Validität: misst wirklich das Gemeinte – das wichtigste, oft vernachlässigte Kriterium.
- Leicht messbar ist nicht dasselbe wie valide.
Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 7.2», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).