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Beurteilungskompass
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Arbeitsblatt · Konferenzbaustein

Bezugsnormen: Woran messen wir?

Sach-, Individual- und Sozialnorm bewusst unterscheiden

Name / Gruppe: ______________________Datum: ____________

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Worum es geht

Jede Bewertung setzt eine Leistung in Bezug zu einem Massstab – dieser Massstab heisst Bezugsnorm. Welche Norm wir wählen, entscheidet mit, was eine Note oder Rückmeldung überhaupt aussagt. Drei Normen sind zu unterscheiden; sie schliessen sich nicht aus, dienen aber unterschiedlichen Zwecken.

Sachnorm (kriteriale Norm)

Die Leistung wird an vorher festgelegten fachlichen Kriterien gemessen – unabhängig davon, wie andere abschneiden oder wie sich die Person selbst entwickelt hat. Für kompetenzorientierte Beurteilung ist dies die tragende Norm, weil sie sich direkt auf die Lehrplankompetenz bezieht. Voraussetzung: Die Kriterien sind vorab bekannt und für alle gleich.

Individualnorm

Die Leistung wird am bisherigen Lernfortschritt derselben Person gemessen. Sie eignet sich hervorragend für formatives Feedback und stärkt die Motivation, weil sie Fortschritt sichtbar macht. Für eine Zeugnisnote allein ist sie ungeeignet – sie sagt nichts über das erreichte Kompetenzniveau aus.

Sozialnorm

Die Leistung wird im Vergleich zur Gruppe (z. B. der Klasse) eingeordnet. Bei prognostischen, selektiven Entscheiden ist sie manchmal unumgänglich, sollte aber nie mit einer Aussage über erreichte Kompetenz verwechselt werden: Eine gute Note in einer schwachen Klasse bedeutet nicht dasselbe wie in einer starken.

Warum das im Alltag zählt

Viele als «ungerecht» erlebte Situationen entstehen, weil Lernende oder Eltern eine andere Norm erwarten als die Lehrperson tatsächlich angewendet hat. Entscheidend ist deshalb weniger, welche Norm «richtig» ist, sondern dass die Norm bewusst zum Zweck passt und transparent kommuniziert wird.

Aufgabe: Fälle einschätzen

Lies jeden Fall und notiere deine Einschätzung – und weshalb.

  1. Fall 1. Eine Schülerin steigert sich im Semester deutlich – von klar ungenügenden zu soliden Arbeiten. Im Zeugnis steht dennoch eine 4, weil das aktuelle Kompetenzniveau nicht höher trägt.

    Welche Norm bestimmt die Zeugnisnote – und wo hat der Fortschritt seinen Platz?

    Einschätzung und Begründung:

  2. Fall 2. Dieselbe Vortragsleistung ergäbe in der leistungsstarken Parallelklasse eine 4, in der schwächeren eine 5.

    Was läuft hier schief?

    Einschätzung und Begründung:

  3. Fall 3. Vor einem Vortrag erhalten alle die gleichen Beurteilungskriterien (Aufbau, Sprache, Medieneinsatz). Bewertet wird strikt danach.

    Welche Norm ist das – und ist sie hier richtig?

    Einschätzung und Begründung:

  4. Fall 4. In der Rückmeldung zu einem Übungstext hebt die Lehrperson hervor, was sich gegenüber dem letzten Text verbessert hat.

    Welche Norm trägt dieses Feedback?

    Einschätzung und Begründung:

  5. Fall 5. Beim Übertrittsentscheid in die Sekundarstufe ist einzuschätzen, ob die Leistung für ein bestimmtes Niveau reicht.

    Darf hier die Gruppe eine Rolle spielen?

    Einschätzung und Begründung:

Unsere Vereinbarung

Unsere Faustregel: Sachnorm gilt bei …

Individualnorm nutzen wir für …

Sozialnorm nur, wenn …

Beurteilungskompass — kompetenzorientiert beurteilen. Textgrundlage: Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023, CC BY 4.0.