Lernziele beobachtbar formulieren
Passt zu: Planen und Ziele setzen
Was
Eine Lehrplankompetenz ist meist zu allgemein formuliert, um direkt beurteilt zu werden. Ein beobachtbares Lernziel übersetzt sie in ein konkretes Verhalten oder Produkt, das während oder am Ende einer Einheit tatsächlich sichtbar wird.
Wann einsetzen
Zu Beginn jeder Planung – bevor Aufgaben oder Beurteilungsanlässe entwickelt werden.
So geht's
- Formuliere das Ziel mit einem sichtbaren Verb (z. B. «erklären», «vergleichen», «präsentieren»), nicht mit einem unbeobachtbaren («verstehen», «wissen»).
- Ergänze das Produkt oder Verhalten, an dem sich das Ziel zeigt.
- Nenne den Kontext, in dem das gezeigt wird (z. B. «in einem kurzen mündlichen Vortrag vor der Halbklasse»).
- Lege 1 bis 2 Anspruchsniveaus fest (Basis / erweitert), statt ein Niveau für alle.
- Prüfe: Könnten zwei Lehrpersonen unabhängig voneinander beurteilen, ob das Ziel erreicht wurde?
Beispiel
Aus der Kompetenz «Die Schülerinnen und Schüler können zu vertrauten Themen einen kurzen Vortrag präsentieren» (Englisch, Lehrplan 21) wird das Lernziel: «Kann ein selbst gewähltes Tier in einem vorbereiteten, drei- bis vierminütigen Vortrag vor der Halbklasse mit Poster vorstellen und mindestens vier Fragen der Zuhörenden beantworten.»
Stolpersteine
- Ziele, die nur Wissen abfragen («kennt die Fachbegriffe»), sagen wenig über die eigentliche Kompetenz aus.
- Zu viele Ziele gleichzeitig verwässern die Beurteilung – 2 bis 4 pro Einheit reichen.
- Ohne Anspruchsniveaus wird das Ziel entweder für schwächere Lernende demotivierend oder für starke Lernende trivial.
Fachliche Grundlage: Hanni Lötscher, Markus Roos, «Kapitel 4.4», in Lötscher, Naas, Roos (Hrsg.), Kompetenzorientiert beurteilen, hep 2023 — eigenständig bearbeitet und neu formuliert. Quelle & Lizenz (CC BY 4.0).